Strammer Wind, strammer Zander Drucken E-Mail
Donnerstag, 27. Mai 2010 um 17:23 Uhr

Hamburg (MARO) - Mehrere kurzfristige Terminverschiebungen ließen die Teilnehmerzahl zum Saisonauftakt in Hamburg auf ganze zwei Mann schrumpfen. Die Wetterverhältnisse taten das übrige, um nicht gerade Jubelstürme zu erzeugen. Eine kräftige Brise blies uns zur Begrüßung auf dem Buhnenkopf um die Ohren, und die acht Grad Celsius ließen auch kein rechtes Frühlingsfeeling aufkommen.  Aber der Wille zum Fisch war bei beiden da, und nur das zählte. Nachdem sich Pierre und Holger eingefischt hatten (was auch dem Vorrat an Ködern sichtlich gut bekam) und die widrigen Wetterbedingungen verdrängt waren, stieg auch die Stimmung. Während wir noch darüber scherzten, wer wohl von den beiden den nächsten Köder versenken würde, war Pierres Rute plötzlich (wieder) krumm. Doch was anfangs noch als Hänger erschien, entpuppte sich schnell als Fisch. Pierre machte Druck, um in aus der Strömung zu bekommen. Vier, fünf Meter bewegte sich der Fisch auf die Buhne zu, doch dann kam, was kommen musste: Strömung und Fisch zusammen waren einfach zu stark! Mit kurzem Schlagen des Kopfes stieg er einige Meter vor der Buhne aus. Pierres Gesichtsausdruck zeigte alle Facetten, von Verdutztheit über Erschrockenheit bis hin zur leisen Resignation. Aber als gestandener Angler war das soeben Erlebte schnell unter "weitere Erfahrung" abgelegt, und es ging mit noch mehr Elan weiter. Nur die Zander wollten nicht so recht, und nachdem sich eine Stunde später und auch eine Buhne weiter nichts getan hatte, entschied ich mich kurzfristig zu einem weiteren Wechsel, diesmal einige Buhnen stromab, die auch ein wenig windgeschützter schienen. Gesagt getan. Dass sich die Entscheidung als goldrichtig erweisen sollte, merkten wir bereits einige Würfe später. Diesmal traf es Holger. Das Zucken in der Rutenspitze und Holgers Anhieb waren fast eins. Die Rute bog sich verdächtig stark, langsam löste sich der Fisch vom Grund und folgte bereitwillig  Richtung Buhne. Doch dann schien er zu merken was da gerade passierte, mit starken Kopfstössen widersetze er sich dem Druck der Rute und versuchte zu entkommen. Erst jetzt war zu erahnen das es sich um etwas "Größeres" handelte. Langsam kam er zur Oberfläche und beim ersten Anblick traten mir Schweißperlen auf die Stirn. Nicht wegen der Größe, sondern weil ich sah wie knapp der Zander am Angstdrilling hing! Ich hatte nur einen Gedanken: "Noch ein Kopfstoss und er ist weg!" Aber, oh Wunder, scheinbar willenlos folgte der Räuber dem Druck der Rute über den Kescher. Holger strahlte mich an, wie nach einem Sechser im Lotto! Ganze 85 Zentimeter und 14 Pfund galt es jetzt zu schlagen. Alle widrigen Umstände waren vergessen. Wurf auf Wurf durchpflügte der Zanderkant-Kauli das Wasser rings um die Buhne, bis der nächste Biss den Rhythmus unterbrach. Kurz und heftig schlug es an der Rute von Pierre ein. Der gekonnte Drill bei heftiger Gegenwehr des Fisches, wurde mit einem äußerst agilen 54er Zander belohnt. So wurde dann der Samstag an der niedersächsischen Elbe abgeschlossen und für den folgenden Tag, mit Ablauf der Schonzeit, erstmals 2010 der Hamburger Hafen ins Visier genommen. Der Sonntagmorgen begrüßte uns mit leichtem Nieselregen, der aber Dank des heftig auffrischenden Windes rasch vertrieben wurde. Während des Frühstücks traf auch Holger ein, der die Nacht zu Haus verbracht hatte und wir konnten kurz darauf in Richtung Hafen starten. Für einen Saisonstart in Hamburg auf Zander, wenig los dachte ich noch so bei mir, doch schnell mussten wir feststellen, dass die einzigen einigermaßen windgeschützten Stellen bereits in fester Hand waren. Nachdem wir mehrere Stellen ergebnislos abgefischt hatten, fanden auch wir ein windgeschütztes und sonniges Plätzchen, das in der Vergangenheit bei steigendem Wasser immer ein paar Fische gebracht hatte. Heute aber ging nichts, kein Zupfer, absolut nichts! Tapfer fischten die Jungs durch, aber nichts tat sich. Das Wasser war wie ausgestorben. Mehrere andere Angler, die auf der Suche nach einem geschützten Plätzchen waren, hatten bereits an anderen Plätzen die gleiche Erfahrung gemacht. Mittlerweile war es auch von der Zeit her zu knapp um noch einen weiteren Platz anzufahren, da Pierre noch quer durch die Stadt zum Flughafen musste. Also beendeten wir den ersten Hafentag in diesem Jahr, freuten uns über die Fische vom Vortag und fuhren in die Unterkunft. Auch wenn der erste Kurs in diesem Jahr anfangs nichts Gutes verheißen hatte, so brachte das Stehvermögen von Holger und Pierre doch noch ein versöhnliches Ergebnis!

Fotos: M. Rodzis